Innen & Außen
Neubau SchulCampus mit Grundschule, Gymnasium und Sporthalle an der Greifswalder Straße, Erfurt
Bauherr
Stadtverwaltung Erfurt, Amt für Grundstücks- und Gebäudeverwaltung
Öffentlicher Auftraggeber / Bauen für die Gemeinschaft
Verfahren
Nichtoffener Realisierungswettbewerb / 1. Runde
Grösse
BGF 14.000m²
Zeitraum
06.2021
Beteiligte
Georg Brennecke, Daily Space, Uwe Neubauer, uweneubauer.landschaftsarchitektur & Michael Wengert, Pfeil & Koch Ingenieurgesellschaft
Die Leitidee des neuen SchulCampus in Erfurt basiert auf einem klaren architektonischen Umgang mit den besonderen örtlichen Bedingungen zwischen Greifswalder Straße und Bahntrasse. Der Entwurf formuliert bewusst ein starkes „Außen“ und ein vielschichtiges, geschütztes „Innen“. Die Gebäude reagieren mit geschlossenen Fassaden auf Lärm und Verkehr, während sich im Inneren eine transparente, dem menschlichen Maßstab folgende Lernlandschaft entwickelt. Staffelungen, Einschnitte, Terrassen und Dachlandschaften erzeugen eine differenzierte Architektur mit hoher Aufenthaltsqualität.
Gymnasium, Grundschule und Sporthalle bilden ein klar ablesbares Ensemble aus eigenständigen Baukörpern. Jedes Gebäude ist funktional autark, zugleich jedoch Teil eines zusammenhängenden Campus. Die Baukörper schließen sich selbstbewusst zu Straßen und Bahnlinie und definieren eine neue städtebauliche Kante. Zum Wohngebiet nach Norden öffnen sich die gegeneinander verdrehten L-förmigen Schulgebäude und fassen einen großzügigen, geschützten Pausenhof. Die Sporthalle ist eigenständig positioniert und ermöglicht eine unabhängige Nutzung außerhalb des Schulbetriebs.
Ein zentraler Fuß- und Radweg zwischen Schule und Sporthalle verbindet Wohnen mit Versorgungszentrum und schafft einen lebendigen Zwischenraum. Dieser ist als urbaner Aufenthaltsort mit Bäumen, Holzdecks und Flächen für Urban Sport, Skating und Kommunikation gestaltet. Die Gebäude begleiten diesen Raum und verleihen ihm städtebauliche Klarheit. Hier befinden sich die Haupteingänge zur Grundschule und zur Sporthalle, sicher abseits des motorisierten Verkehrs und direkt an das Wohngebiet angebunden.
Die differenzierte Erschließung trennt die Nutzerströme von Grundschule, Gymnasium, Sporthalle und externen Besuchern. Im Inneren führen die Wege jedoch wieder zusammen, insbesondere in den Aulen und der gemeinsam genutzten Mensa, wodurch ein starkes Gemeinschaftsgefühl entsteht. Der Lehrerparkplatz sowie Ver- und Entsorgung sind konsequent an der Ostseite angeordnet und kreuzen keine Schülerwege. Fahrradstellplätze sind dezentral den Eingängen zugeordnet und teilweise baulich integriert.
Die Architektur folgt klar strukturierten Grundrissen. Die neuen Klassenhäuser sind zweigeschossig und sitzen auf einem ein- bis zweigeschossigen Sockel mit gemeinsam genutzten, öffentlichen Funktionen. Die LernCluster sind streng gerastert organisiert und bieten zugleich hohe Flexibilität. Jede Einheit bleibt überschaubar, ermöglicht unterschiedliche Lernformen und besitzt direkte Bezüge zum Außenraum. Der großzügige Flur im Gymnasium fungiert nicht nur als Erschließung, sondern auch als Adresse der LernCluster und als Kommunikationsraum, sondern auch als Lärmpuffer und funktionales Rückgrat.
Ein zentrales Element des Entwurfs ist der Pausenhof mit integrierten Sportflächen. Der innenliegende Hof gliedert sich in Bereiche für Grundschule und Gymnasium und wird durch ein Kleinspielfeld verbunden. Großzügige Baumreihen, Versickerungsmulden und vielfältige Beläge schaffen differenzierte Zonen für Bewegung, Rückzug, Spiel und Begegnung. Der Pausenhof der Grundschule wird durch einen Schulgarten im Erdgeschoss und auf der Dachfläche ergänzt. Hochbeete, Schulbienen, modellierte Geländeflächen und Holzpodeste fördern Naturerfahrung, Bewegung und informelles Lernen. Der Pausenhof des Gymnasiums kombiniert bodengebundene Sportangebote wie Streetball, Tischtennis und Bouldern mit nutzbaren Dachflächen als erweiterte Aufenthaltsbereiche.
Nachhaltigkeit ist integraler Bestandteil des Entwurfs. Die kompakte Bauweise, ein optimiertes Verhältnis von Hüllfläche zu Volumen, extensive Dachbegrünungen und Retentionsdächer verbessern Energieeffizienz und Mikroklima. Tragwerk und Fassaden sind auf Langlebigkeit, Flexibilität und geringe Wartung ausgelegt. Ein innovatives Lüftungs- und Energiekonzept mit Wärmerückgewinnung, Fernwärmenutzung, Nachtlüftung und Photovoltaik sorgt für einen deutlich unterdurchschnittlichen Energiebedarf bei gleichzeitig hohem Nutzerkomfort.
Der neue SchulCampus versteht sich als zukunftsfähige, nachhaltige Bildungslandschaft, die klare Architektur, funktionale Präzision und qualitätsvolle Freiräume zu einem robusten Gesamtkonzept verbindet.