Machbarkeitsstudie Betriebs- und Verwaltungsgebäude für das Klärwerk ll Gut Marienhof in Eching
Bedarfsplanung für einen Neubau, Erarbeitung eines Raumprogrammes und planerische Machbarkeitsstudie
Bauherr
Landeshauptstadt München - Münchner Stadtentwässerung
Öffentlicher Auftraggeber / Bauen für die Gemeinschaft
Leistung
Bedarfsplanung, Projektentwicklung & Baurecht
Grösse
5,0ha / BGF 20.000m²
Zeitraum
12.2020 - 03.2022
Ausgangspunkt des Projekts ist der geplante Ergänzungsneubau zum zentralen Verwaltungsgebäude des Klärwerks Gut Marienhof in Eching. Das bestehende Gebäude aus den 1980er Jahren ist den heutigen und zukünftigen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Durch das kontinuierliche Wachstum der Stadt München haben sich sowohl die Abwassermengen als auch der Personalbedarf deutlich erhöht. Gleichzeitig sind in dem Bestandsgebäude mehrere Hauptnutzungen - Verwaltung, Leitwarte und Labor - funktional überlagert, was zeitgemäße Arbeitsabläufe, Erweiterungen und einen smarten Betrieb erheblich einschränkt.
Ziel des Projekts ist es, die bestehenden Funktionen neu zu ordnen und zukunftsfähig aufzustellen. Als grundlegende Prämisse wurde definiert, Betriebslabor und Zentrale Leitwarte künftig in einem eigenständigen Betriebsgebäude unterzubringen. Dieses soll in einem ersten Bauabschnitt errichtet und in Betrieb genommen sein, bevor die ReOrganisation des Bestandsgebäudes erfolgt. Die Gebäude sollen witterungsunabhängig miteinander verbunden werden. Kantine, Sozialräume, Umkleiden und Sanitärbereiche verbleiben im separaten Sozialgebäude, dessen Weiterentwicklung nicht vordergründiger Bestandteil der Analyse war.
Grundlage für alle weiteren Schritte war die systematische Bedarfsplanung nach den Prinzipien der DIN 18205. Ziel dieses Verfahrens ist es, die Bedürfnisse, Ziele und Rahmenbedingungen des Betriebs frühzeitig, strukturiert und ergebnisoffen zu erfassen. Die Bedarfsplanung wurde ausdrücklich als iterativer Prozess verstanden, der nicht nur bauliche Anforderungen, sondern auch organisatorische, betriebliche und perspektivische Entwicklungen berücksichtigt. Sie diente damit als Qualitätssicherungsinstrument für den gesamten Projektverlauf und als belastbare Basis für die nachfolgende Machbarkeitsstudie.
Der Planungsprozess begann mit einem gemeinsamen Auftakt zur Bedarfsplanung. In der Folge wurden themenspezifische Arbeitsgruppen gebildet, die sich aus Mitarbeitenden unterschiedlicher Fachbereiche und Hierarchieebenen zusammensetzten. Für die jeweiligen Gruppen wurden gemeinsam mit der Leitungsebene Fragebögen entwickelt, die funktional- räumliche, organisatorische und technische Anforderungen abfragten. In mehreren Workshops wurden die Inhalte diskutiert, geschärft und dokumentiert, um einen breiten Konsens innerhalb des Betriebs zu erreichen. Erst auf dieser Grundlage erfolgte die Zusammenführung der Ergebnisse in einem Bedarfsplan, der anschließend in eine Machbarkeitsstudie überführt wurde.
Aus diesen Grundlagen und weiteren Grundlagen leitete sich das funktionale Raumprogramm ab. Der Verwaltungsneubau umfasst neben den klassischen Büro- und Verwaltungsbereichen auch repräsentative Zonen wie Foyer und Vortragsraum, Bereiche für Ausbildung und Qualifizierung, Sozialbereiche sowie informelle Kommunikationsflächen. Besonderer Wert wurde auf flexible Grundrissstrukturen gelegt, die kurzfristige Anpassungen der Büroformen und die notwendige Personalentwicklung ermöglichen. Ein einheitliches Ausbauraster bildet hierfür die Grundlage und erlaubt die Umnutzung von Einzel- zu Mehrpersonenbüros oder zu offenen Arbeitslandschaften ohne tiefgreifende bauliche Eingriffe.
Das Betriebsgebäude vereint die Funktionen der Zentralen Leitwarte und des Betriebslabor. Neben den sensiblen Arbeitsbereichen sind Büroflächen, Besprechungs- und Pausenräume, sowie sanitäre Einrichtungen vorgesehen. Räumliche Reserven ermöglichen es, im Ausnahmefall zusätzliche Arbeitsplätze aufzunehmen. Das Betriebslabor umfasst spezialisierte Laborbereiche mit differenzierten technischen Anforderungen. Die Schreibarbeitsplätze sind bewusst ausgelagert und in einer zugeordneten Büroeinheit untergebracht.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der langfristigen Nutzbarkeit und Nachhaltigkeit der Neu- und Umbauten. Es wurde empfohlen, den Bauraum im Bereich des Betriebsgebäudes perspektivisch zu sichern, um auf heute noch nicht absehbare Entwicklungen reagieren zu können. Entsprechend wurden hohe Anforderungen an Flexibilität, technische Reserven und Anpassungsfähigkeit formuliert. Nachhaltigkeit wird dabei nicht nur energetisch verstanden, sondern auch organisatorisch und betrieblich. Die Neubauten sollen einem stadteigenen Niedrigstenergiestandard entsprechen, der sich an Passivhaus- oder vergleichbaren Effizienzstandards orientiert.
Zusammenfassend bildet die Bedarfsplanung gemeinsam mit der Machbarkeitsstudie ein tragfähiges Fundament für die weitere Projektentwicklung. Durch die frühzeitige, transparente und strukturierte Einbindung des Betriebs konnten funktionale Anforderungen präzise erfasst, Zielkonflikte sichtbar gemacht und realistische Lösungsansätze aufgezeigt werden.